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Verehrte Gemeinde,
Liebe versammelte Sternsinger,
jedes Jahr ziehen bundesweit mehr als 500.000
Sternsinger durch die Straßen, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln.
Dieses Jahr ist Madagaskar Partnerland der Sternsingeraktion 2007.
Ich möchte Ihnen in wenigen Worte über das Land
Madagaskar, seine Bewohner und speziell die Kinder erzählen und
versuchen zu vermitteln, warum ich diese Aktion für gut und
unterstützenswert halte. Falls Sie sich wundern sollten, warum
ausgerechnet ich hier stehe, muss ich kurz einschieben, dass ich eine
deutsche Mutter und einen madagassischen Vater habe und daher sozusagen
ein wenig mit der Materie vertraut bin.
Madagaskar. An der Süd-Ostküste von Afrika gelegen,
also rechts unten bei Afrika, hat die Republik Madagaskar eine
Bevölkerung von 18 Millionen Einwohnern und ist viertgrößte Insel der
Welt. Madagaskar hat eine Fläche von knapp 600.000 Quadratkilometern
und ist damit ungefähr 1,5 mal so groß wie Deutschland. Seine Hauptstadt
ist Antananarivo. Man erkennt direkt, dass madagassische Wörter aus
vielen Vokalen bestehen, die gerne in langen Wörtern aneinandergereiht
werden.
Madagaskar ist eine schöne Insel. Wenn sie
hoffentlich eines Tages die Möglichkeit haben werden nach Madagaskar zu
kommen, wird ihnen in einigen Teilen des Landes ein tropischer Duft in
die Nase steigen. In den Regionen am Meer gedeihen dank des tropischen
und subtropischen Klimas die weltberühmte Madagaskar-Vanille, Pfeffer,
Nelken und Zimt. Madagaskar ist eine noch von den Massen von Touristen
unberührte Insel.
Leider ist Madagaskars Natur nicht überall so
unbefleckt. Trotz ihrer Einzigartigkeit und seiner großteils endemischen
Tierwelt blutet Madagaskar. Wenn man die Insel aus dem Weltall
betrachtet sieht es so aus, als ob der rote Sand, welcher aus den
entwaldeten Bergen ausgeschwemmt und dann durch die Flüsse ins Meer
transportiert wird das Land verbluten lässt.
Brandrodung ist einer der Gründe dafür. Werden die
Wälder abgeholzt, um Feuerholz oder Weidefläche zu gewinnen, liegen die
Böden ungeschützt da und können leicht vom nächsten starken Regen
fortgespült werden. Wenn sich die Erosionsrinnen in die Berge graben und
den Boden fortwaschen, sieht es manchmal so aus, als ob die Berge Karies
hätten.
Madagaskar ist eine sehr junge Nation. Erst 1960
fand es nach jahrelanger Dominierung durch die französische
Kolonialmacht den Weg in die Unabhängigkeit. Auch in Bezug auf die
Einwohner ist Madagaskar eine junge Nation. Trotz einer
Kindersterblichkeit von 15,6 Prozent stellen die 0-14 jährigen
beachtliche 45 % der Bevölkerung. 60 % der Bevölkerung lebt in Armut.
Nach der Definition der Vereinten Nationen bedeutet dies, dass sie
weniger als 1 US Dollar pro Tag zur Verfügung haben.
Das Leben für viele Kinder in Madagaskar ist ein
wenig unterschiedlich zu dem der Kinder hier in Lorup. Viele sind schon
bereits in Kinderjahren gezwungen auf den Feldern mitzuarbeiten und
damit das Einkommen der Familie zu sichern. Dies bedeutet aber auch,
dass sie in dieser Zeit nicht zur Schule gehen können. Der Ankauf eines
Bleistifts kann auch schon mal schnell den durchschnittlichen
Tagesverdienst eines Landarbeiters aufzehren. Ein Grund mehr, das eigene
Kind nicht zur Schule zu schicken. Vor die Wahl gestellt, entscheiden
sich daher viele arme Familien, ihr Kind nicht in die Schule zu
schicken. Mit fatalen Konsequenzen. Man kann sich nicht vorstellen, was
es bedeutet nicht lesen oder schreiben zu können, welche Abhängigkeit
und manchmal auch Ausbeutung es von denjenigen bedeutet, die gebildet
sind. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Madagaskars können weder
lesen noch schreiben.
Der madagassische Staat kommt nicht ausreichend
seiner Verpflichtung nach, die eigene Bevölkerung zu bilden. Sei es weil
zu wenig Geld im Haushalt zur Verfügung steht, sei es weil die Regierung
Madagaskars vielleicht nicht genügend Priorität und Ressourcen in die
Grundbildung steckt.
Aus diesem Grund sind auch deutsche kirchliche und
nichtkirchliche Organisationen in Madagaskar, welche das madagassische
Bildungssystem unterstützen und mehr Kindern den Besuch von Schulen
ermöglichen. So soll erreicht werden, dass die Milleniumsziele der
Vereinten Nationen erreicht werden können, welche u.a. besagen, dass bis
zum Jahre 2015 alle Kinder weltweit und nicht nur in Madagaskar
wenigstens die Grundschule besuchen und dann auch beenden können. In
Madagaskar sprechen die Zahlen für sich. Laut offiziellen Statistiken
beginnen zwar 76 % der Kinder in Madagaskar die Grundschule. Es gibt
jedoch keine Zahlen darüber wie viele Kinder die Grundschule auch
wirklich beenden können. Man geht davon aus, dass nur 60-65% die
Grundschule auch wirklich beenden können, ohne aus Geldnot die Schule
verlassen zu müssen. Eine Verbesserung der Bildungssituation ist daher
dringend geboten.
Der madagassische Verein Vozama ist übrigens eine
dieser Organisationen in Madagaskar, welche sich um den Bereich
Grundbildung, aber auch speziell um Umweltbildung kümmert. Durch ihre
Spendengelder kann auch Vozama seine Arbeit intensivieren und
fortsetzen. Durch die Anpflanzung von Bäumen in brandgerodeten Gebieten
und die Sensibilisierung von Schulkindern zum bessern Schutz der Umwelt
unterstützen die Spendengelder der Sternsinger damit unmittelbar die
Kinder vor Ort.
Und selbst hier in Lorup gibt es einen Verein, der
sich um Bildungspatenschaften zwischen Deutschland und Madagaskar und um
Wiederaufforstung kümmert. Neben mittlerweile 20 vermittelten
Bildungspatenschaften zwischen Deutschland und Madagaskar und über 5000
geförderten Schülern pro Jahr führt Madagaskar Vision aus Lorup in
Kooperation mit dem Hümmling-Gymnasium Sögel eine Wiederaufforstungs-
und Umweltbildungsmaßnahme an der madagassischen Ostküste im Gebiet
Brickaville durch.
Zum Schluss möchte ich mich daher ganz herzlich für
den Einsatz der Sternsinger und bei Ihnen für das Interesse am Land
Madagaskar bedanken.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! |