Redebeitrag zur Sternsingeraktion Madagaskar in der Kirche Mariä Himmelfahrt Lorup am 06. Januar 2007

Redner: Harald Kreutzer, Vorsitzender Madagaskar Vision e.V.

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Verehrte Gemeinde,

Liebe versammelte Sternsinger,

 

 

jedes Jahr ziehen bundesweit mehr als 500.000 Sternsinger durch die Straßen, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Dieses Jahr ist Madagaskar Partnerland der Sternsingeraktion 2007.

 

 

Ich möchte Ihnen in wenigen Worte über das Land Madagaskar, seine Bewohner und speziell die Kinder erzählen und versuchen zu vermitteln, warum ich diese Aktion für gut und unterstützenswert halte.  Falls Sie sich wundern sollten, warum ausgerechnet ich hier stehe, muss ich kurz einschieben, dass ich eine deutsche Mutter und einen madagassischen Vater habe und daher sozusagen ein wenig mit der Materie vertraut bin.

 

Madagaskar. An der Süd-Ostküste von Afrika gelegen, also rechts unten bei Afrika, hat die Republik Madagaskar eine Bevölkerung von 18 Millionen Einwohnern und ist viertgrößte Insel der Welt.  Madagaskar hat eine Fläche von knapp 600.000 Quadratkilometern und ist damit ungefähr 1,5 mal so groß wie Deutschland. Seine Hauptstadt ist Antananarivo. Man erkennt direkt, dass madagassische  Wörter aus vielen Vokalen bestehen, die gerne in langen Wörtern aneinandergereiht werden.

 

Madagaskar ist eine schöne Insel. Wenn sie hoffentlich eines Tages die Möglichkeit haben werden nach Madagaskar zu kommen, wird ihnen in einigen Teilen des Landes ein tropischer Duft in die Nase steigen. In den Regionen am Meer gedeihen dank des tropischen und subtropischen Klimas die weltberühmte Madagaskar-Vanille, Pfeffer, Nelken und Zimt. Madagaskar ist eine noch von den Massen von Touristen unberührte Insel.

 

Leider ist Madagaskars Natur nicht überall so unbefleckt. Trotz ihrer Einzigartigkeit und seiner großteils endemischen Tierwelt blutet Madagaskar. Wenn man die Insel aus dem Weltall betrachtet sieht es so aus, als ob der rote Sand, welcher aus den entwaldeten Bergen ausgeschwemmt und dann durch die Flüsse ins Meer transportiert wird das Land verbluten lässt.

 

Brandrodung ist einer der Gründe dafür. Werden die Wälder abgeholzt, um Feuerholz oder Weidefläche zu gewinnen, liegen die Böden ungeschützt da und können leicht vom nächsten starken Regen fortgespült werden. Wenn sich die Erosionsrinnen in die Berge graben und den Boden fortwaschen, sieht es manchmal so aus, als ob die Berge Karies hätten.

 

Madagaskar ist eine sehr junge Nation. Erst 1960 fand es nach jahrelanger Dominierung durch die französische Kolonialmacht den Weg in die Unabhängigkeit. Auch in Bezug auf die Einwohner ist Madagaskar eine junge Nation. Trotz einer Kindersterblichkeit von 15,6 Prozent stellen die 0-14 jährigen beachtliche 45 % der Bevölkerung. 60 % der Bevölkerung lebt in Armut. Nach der Definition der Vereinten Nationen bedeutet dies, dass sie weniger als 1 US Dollar pro Tag zur Verfügung haben.

 

Das Leben für viele Kinder in Madagaskar ist ein wenig unterschiedlich zu dem der Kinder hier in Lorup. Viele sind schon bereits in Kinderjahren gezwungen auf den Feldern mitzuarbeiten und damit das Einkommen der Familie zu sichern. Dies bedeutet aber auch, dass sie in dieser Zeit nicht zur Schule gehen können. Der Ankauf eines Bleistifts kann auch schon mal schnell den durchschnittlichen Tagesverdienst eines Landarbeiters aufzehren. Ein Grund mehr, das eigene Kind nicht zur Schule zu schicken. Vor die Wahl gestellt, entscheiden sich daher viele arme Familien, ihr Kind nicht in die Schule zu schicken. Mit fatalen Konsequenzen. Man kann sich nicht vorstellen, was es bedeutet nicht lesen oder schreiben zu können, welche Abhängigkeit und manchmal auch Ausbeutung es von denjenigen bedeutet, die gebildet sind. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Madagaskars können  weder lesen noch schreiben.

 

Der madagassische Staat kommt nicht ausreichend seiner Verpflichtung nach, die eigene Bevölkerung zu bilden. Sei es weil zu wenig Geld im Haushalt zur Verfügung steht, sei es weil die Regierung Madagaskars vielleicht nicht genügend Priorität und Ressourcen in die Grundbildung steckt.

 

Aus diesem Grund sind auch deutsche kirchliche und nichtkirchliche Organisationen in Madagaskar, welche das madagassische Bildungssystem unterstützen und mehr Kindern den Besuch von Schulen ermöglichen. So soll erreicht werden, dass die Milleniumsziele der Vereinten Nationen erreicht werden können, welche u.a. besagen, dass bis zum Jahre 2015 alle Kinder weltweit und nicht nur in Madagaskar wenigstens die Grundschule besuchen und dann auch beenden können. In Madagaskar sprechen die Zahlen für sich. Laut offiziellen Statistiken beginnen zwar 76 % der Kinder in Madagaskar die Grundschule. Es gibt jedoch keine Zahlen darüber wie viele Kinder die Grundschule auch wirklich beenden können. Man geht davon aus, dass nur 60-65% die Grundschule auch wirklich beenden können, ohne aus Geldnot die Schule verlassen zu müssen. Eine Verbesserung der Bildungssituation ist daher dringend geboten.

 

Der madagassische Verein Vozama ist übrigens eine dieser Organisationen in Madagaskar, welche sich um den Bereich Grundbildung, aber auch speziell um Umweltbildung kümmert. Durch ihre Spendengelder kann auch Vozama seine Arbeit intensivieren und fortsetzen. Durch die Anpflanzung von Bäumen in brandgerodeten Gebieten und die Sensibilisierung von Schulkindern zum bessern Schutz der Umwelt unterstützen die Spendengelder der Sternsinger damit unmittelbar die Kinder vor Ort.

 

Und selbst hier in Lorup gibt es  einen Verein, der sich um Bildungspatenschaften zwischen Deutschland und Madagaskar und um Wiederaufforstung kümmert. Neben mittlerweile 20 vermittelten Bildungspatenschaften zwischen Deutschland und Madagaskar und über 5000 geförderten Schülern pro Jahr führt Madagaskar Vision aus Lorup in Kooperation mit dem Hümmling-Gymnasium Sögel eine Wiederaufforstungs- und Umweltbildungsmaßnahme an der madagassischen Ostküste im Gebiet Brickaville durch.

 

 

Zum Schluss möchte ich mich daher ganz herzlich für den Einsatz der Sternsinger und bei Ihnen für das Interesse am Land Madagaskar bedanken.

 

 

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!